Omega-3 ist keine einzelne Fettsäure, sondern eine Gruppe mehrfach ungesättigter Fettsäuren. Für die Ernährung sind vor allem ALA, EPA und DHA relevant. ALA kommt überwiegend in pflanzlichen Lebensmitteln vor. EPA und DHA finden sich vor allem in Fisch, Meeresfrüchten und Algenöl.
Für die gezielte Versorgung mit langkettigen Omega-3-Fettsäuren ist vor allem eine Frage entscheidend: Wie viele Milligramm EPA und DHA werden tatsächlich aufgenommen?
Der menschliche Körper kann ALA zwar in EPA und DHA umwandeln, allerdings nur begrenzt. Deshalb sollten ALA, EPA und DHA nicht einfach unter dem Sammelbegriff Omega-3 gleichgesetzt werden.
ENTSCHEIDEND SIND EPA UND DHA
Bei Omega-3-Präparaten begegnen dir viele Zahlen: 1.000 mg Fischöl, 2.000 mg Fischöl pro Tagesportion oder ein besonders hoher Gesamt-Omega-3-Gehalt.
Für die gezielte EPA/DHA-Zufuhr ist die Fischölmenge jedoch nicht die entscheidende Bezugsgröße. Relevant sind:
EPA pro Kapsel. DHA pro Kapsel. EPA + DHA pro Kapsel.
Zwei Kapseln können jeweils 1.000 mg Fischöl enthalten und trotzdem völlig unterschiedliche Mengen EPA und DHA liefern. Auch Angaben pro Tagesportion erschweren den Vergleich, weil sich diese je nach Hersteller auf eine, zwei, drei oder mehr Kapseln beziehen können.
EPA und DHA stehen auch im Zentrum eines großen Teils der Humanforschung. Sie werden in Zellmembranen eingebaut, beeinflussen den Lipidstoffwechsel und dienen als Ausgangsstoffe verschiedener Lipidmediatoren. DHA findet sich zudem in hohen Konzentrationen in Gehirn und Retina.
QUALITÄT BRAUCHT MESSWERTE
Die Wirkstoffmenge ist allerdings nur der erste Teil der Qualitätsbewertung. Ebenso relevant ist, was ein Omega-3-Präparat zusätzlich enthält.
Bei marinen Ölen gehören deshalb Analysen auf relevante Kontaminanten wie Schwermetalle, Dioxine und PCB zu einer fundierten Qualitätskontrolle.
Dabei besteht ein wichtiger Unterschied zwischen „unter dem gesetzlichen Höchstgehalt“ und „unter der Nachweisgrenze“. Im ersten Fall kann ein Stoff messbar vorhanden sein, liegt aber innerhalb der gesetzlichen Vorgaben. Im zweiten Fall wurde mit der verwendeten Methode keine Konzentration oberhalb ihrer Nachweisgrenze festgestellt.
Deshalb reichen Aussagen wie „laborgeprüft“, ein Prüfsiegel oder eine Verkehrsfähigkeitsbescheinigung für eine detaillierte Qualitätsbewertung nicht aus. Entscheidend sind konkrete Messwerte.
Ein vollständiger, möglichst chargenbezogener Laborbericht sollte zeigen, was untersucht wurde, welche Werte gemessen wurden und welche Nachweisgrenzen verwendet wurden.
FRISCHE LÄSST SICH MESSEN
Bei Fischöl kommt eine weitere Qualitätsdimension hinzu: die Oxidation des Fischöls, d.h. wir frisch ist es nach Abfüllung gewesen?
EPA und DHA besitzen mehrere Doppelbindungen und sind deshalb vergleichsweise oxidationsempfindlich. Sauerstoff, Licht, Temperatur und Lagerdauer können die Oxidation beeinflussen.
Eine wichtige Kennzahl ist der TOTOX-Wert. Für den Verbraucher ist das Prinzip wichtiger als die Berechnung: Je niedriger die gemessene Oxidation, desto weniger weit ist das Öl zum Zeitpunkt der Analyse oxidiert.
Die GOED-Spezifikation nennt einen TOTOX von maximal 26 als Qualitätsgrenze. Ein Wert deutlich unter 10 spricht für eine sehr geringe gemessene Oxidation. Eine universell definierte Grenze für die Bezeichnung „sehr frisch“ existiert allerdings nicht.
Entscheidend ist auch, wann gemessen wurde. Ein hervorragender TOTOX des Rohöls beschreibt nicht automatisch den Zustand der später verkauften Kapsel. Dazwischen liegen Verarbeitung, Transport, Verkapselung und Lagerung.
Deshalb ist ein aktueller TOTOX der tatsächlich verkauften Charge des fertigen Produkts wesentlich aussagekräftiger als ein allgemeiner Wert des ursprünglichen Rohöls.